Die Nacht war unruhig, heftige Fallböen schüttelten das Schiff und mehrmals warf ich einen prüfenden Blick aus dem Bullauge, "sind alle Landmarken noch an der selben Stelle wie vor zwei Stunden?" Obwohl ich wußte, daß nichts passieren kann, zwei dicke Muringleinen vorn, zwei Heckleinen und noch eine weitere Landleine backbord mittschiffs schräg nach hinten zu einem weiteren Poller und trotzdem immer wieder ein flüchtiger Blick hinaus, naja an Schlafen war bei dem Geheule draußen eh nicht wirklich zu denken.
Gespenstisch wirkt, dass hinter den hölzernen Fensterjalousien des Gasthauses Licht durchschimmerte, wohnt doch wer hier oder ist es eine Nachtschaltung? In einem Nebengebäude scheint eine alte Frau zu wohnen, nur einmal ganz kurz war sie zu sehen.
Jetzt, 9:30h und als wäre nie ein Donnerwetter gewesen liegt die Mali realtiv ruhig an ihren Leinen, Zeit für ein ausgiebiges Frühstück!
Natürlich ist klar, dass die Bora weiterhin weht, nur hier liege ich vor Wind und Wellen geschützt. Mein Ziel von gestern ist auch heute auf meinem Plan, also klar machen zum Ablegen. Wie üblich starte ich die Maschine bevor ich die Leinen los werfe und da, plötzlich kreischt der Batteriealarm auf. Motor abstellen, wieder starten und erneut dieser Alarm, aber nun steigt wieder dieser unangenehme Geruch in meine Nase, am besten läßt er sich mit verbranntem Fleisch beschreiben...verbranntes Kabel?!!!!!! Sofort stelle ich wieder ab, runter in die Kajüte, sicherheitshalber mache ich den Feuerlöscher bereit, das letzte was ich brauche ist ein Kabelbrand!
Ich öffne den Zugang zum Motor und sofort rieche ich es, hier muß die Ursache liegen, aber auf den ersten Blick war nichts zu entdecken. Also wieder rauf, Motor an, runter turnen - jetzt fehlten ja die Stufen des Niedergangs - und da sehe ich das Desaster, der Wasserschlauch der das heiße Kühlwasser aus der Kühlzirkulation abführt war an der Befestigungsschelle geplatzt, genau oberhalb der Lichtmaschine in die nun das Wasser munter sprudelt! Ich turne wieder rauf, Motor aus und denke nach was tun. Kleben mit dem mitgeführten Textilklebeband? Wie lange hält das? Löst sich der Verband später genau dann wenn ich es überhaupt nicht brauche? Zwischenzeitlich legen neben mir zwei Fischer von der nahen Fischfarm an, wir palavern über das Problem und einer meint ich sollte die Charterfirma anrufen, die wären mit dem Speedboot in einer Stunde hier um die Sache zu reparieren....das war nun eine Frage der Ehre, das sollte doch selbst irgendwie zu schaffen sein! Also ran an den Schlauch, Schelle gelöst, mit dem Klingenmesser die drei defekten cm abgeschnitten, mit Kraft angezogen und wieder an den Anschluß gesteckt und verschraubt! Glücklicherweise hat der Schlauch etwas "Reserve" und verzeiht das fehlende Stück. Motor an, Kontrollblick bei erhöhter Drehzahl, alles dicht! Die ganze Prozedur war zeitraubend, also Pause. Zwischenzeitlich bläst die Bora wieder stärker und meine Gedanken kreisen bang um die Vorstellung, dass dieser Defekt in einer anderen, ganz unpassenden Situation aufgetreten wäre. In einer Situation in der man auf den Motor angewiesen ist, wie z.B. jetzt bei diesen Böen, wenn du gerade in einem Hafen anlegen willst. Schnell verwerfe ich diese Gedanken, froh Glück im Unglück gehabt zu haben.
Eigentlich sind meine Ambitionen für den heutigen Tag etwas weg, auch will ich testen ob meine Reparatur gut hält und überlege, nur einen kurzen Schlag weiter zu fahren, weiter nach Mala Rava einem verschlafenen Fischerdorf. Nur einen Katzensprung und ich lege längsseits am inneren Molenkopf an, vertäue mich gut da genau von vorne die Bora in die Bucht hereinweht. Es ist bereits Nachmittag und ich verspüre Lust auf eine kleine Ortswanderung. Mala Rava besteht aus nicht sehr vielen Häusern, die sich am Berghang und entlang dem Hafenbecken schmiegen. Die Jungen sind wahrscheinlich weggezogen, die wenigen Bewohner sind eher älter und mit der Fischerei bzw. den kleinen Gemüsegärten beschäftigt. Alles geht hier langsam nur hie und da legt das Fährschiff der Jadrolinja an der neu gebauten Anlegestelle an. Das einzige Gasthaus am gegenüberliegenden Ufer ist noch geschlossen, die Bojen davor wiegen sich in den Wellen so als würden sie schon die kommende Saison erwarten, in der hier sicher um einiges mehr los sein wird als heute.
Die kommende Nacht verbringe ich hier, der Liegeplatz ist sicher.


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